Der heutige Tag war ziemlich durchgetaktet und liess kaum
Spielräume für Aktivitäten abseits des Schachbretts, zumindest für den
sportlich Aktiven von uns. Nach einem ausgewogenen Frühstück ( wenn man
die von uns beiden verzehrten Lebensmittel in der Summe betrachtet und
etwas umverteilt) in Gesellschaft der deutschen U18 Spielerin Inken
Köhler, blieb gerade noch etwas Zeit sich kurz für die Morgenpartie
etwas anzusehen, bevor wir uns auf den Fussmarsch zur Olympic Hall
begaben und damit das Denkerhirn wenigstens 15 Minuten frische Luft
abbekam.

Im Spielsaal
begann dann wieder die Suche nach dem richtigen Brett, diesmal nicht
Live und somit am anderen Ende. Dort wurde Tobias schon von seinem
Gegner erwartet, der als Geschenk ein Basecap mit der Flagge Südafrikas
an diesen überreichte. Im Gegenzug erhielt er von uns eine Ansichtskarte
von Magdeburg sowie Hallorenkugeln.

Vorbereitet
hatte Tobias sich auf eine Nebenvariante der spanischen Erröffnung,
wurde dann vom Gegner im 5. Zug mit d4 direkt überrascht, kannte sich
damit nicht aus und musste „frei Schnauze“ weiter spielen. Dies gelang
zunächst noch recht gut, so dass er sich nach der Eröffnung in einer
annehmbaren Stellung befand. Um sich einen Figurenvorteil zu
verschaffen, stellte er einen Bauern ein, dieses Unterfangen erwies
sich allerdings als trügerisch. Stattdessen befand sich plötzlich der
Südafrikaner in einer besseren Position. Doch konnte der Jugendliche aus
Kapstadt daraus keinen Nutzen ziehen, im Gegenteil, er stellte seine
Figuren danach schlechter, geriet in Zeitnot, übersah etwas und verhalf
somit Tobias nach ca. vier Stunden zu einem glücklichen ersten WM-punkt.

Das
Hotel hatte dies Essenszeiten wegen der Doppelrunde nach hinten
verschoben, so dass wir um 14.30 Uhr noch entspannt unser Lunch
einnehmen konnten. Pizza, Pommes und Spaghetti mit Tomatensoße ,
erstaunlicherweise blieb trotzdem das WM-trikot weiss, ohne rote Tupfer.

Gegen 15.30 Uhr war
dann endlich die Auslosung raus für die 2. Runde des heutigen Tages,
unser Schachzwerg sollte es mit einem Weissrussen zu tun bekommen. Für
die Vorbereitung, die diesmal wegen Tatjanas Punktspiel selbständig
erfolgen müsste, blieb nur wenig Zeit, abgesehen davon gab die Chessbase
Datenbank zum Kontrahenten kaum etwas her.

Der
Versuch sich wenigstens noch etwas auszuruhen vor dem anstrengenden
Spätnachmittag war auf Grund des immer noch hohen Adrenalinspiegels auch
nicht so effektiv.

An Frischluft müsste das genügen, was auf dem Weg zur Olympic Hall aufgenommen werden könnte.

Kurzum
sind 2 1/2 Stünden für Mittagessen, Vorbereitung, Abschalten und
körperliche Betätigung draussen nicht wirklich viel Zeit.

Während
am Vormittag noch ab und zu die Sonne für kleine Lichtblicke sorgte,
zog sich der Himmel im Verlauf des Tages mehr und mehr zu, auch einige
dunklere Wolken waren zu sehen.

Passend
dazu verlief die 3. Runde: Tobias spielte mit weiss eine spanische
Eröffnung. Schon in dieser Phase kam er durch das Zulassen von d5 in
eine leicht ungünstigere Stellung , welche sich durch f4 im Mittelspiel
verschärfte. Langes Rechnen brachte einen erheblichen Zeitverlust mit
sich und durch das ( ich zitiere jetzt wörtlich)“ naive, dumme,
blindflanschige“ Einstellen eines Bauern, geriet er nun endgültig auf
die Verliererstrasse, dazu kam, dass am Ende des langen Tages “ die Luft
raus war“.

Nebenbei bemerkt zeugt auch das Partieformular von erheblichen Konzentrationsmängeln. Bleibt nur auf Besserung zu hoffen.

Kurz
nach 20 Uhr traf mein angesäuerter Schachzwerg wieder im Hotel ein.
Nach einem späten Abendbrot blieb noch wenig Zeit den Kopf frei zu
bekommen bevor wir,ohne die Auslosung für die 4.Runde abzuwarten, in den
Tiefschlaf fielen.

P.S.:

Falls
sich jemand die Frage stellen sollte, was der FanReporter hier den
ganzen Tag macht, lautet die Antwort Stricken, Lesen, Blog schreiben,
mit anderen Eltern quatschen, Leute beobachten, Fotografieren,
Kaffeetrinken, Spazierengehen, Füsse ins Mittelmeer tauchen, moralische
Unterstützung leisten…