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Schachzwerge on tour

Vororteindrücke

Den Blog werden wir nutzen, um über mehrtägige Turniere oder Trainingslager ein paar Eindrücke nach Hause zu schicken.

Tag 9, 10, 11 Darmprobleme, Nationalfeiertag und diese verflixten Griechen

WM 2018 in Griechenland Posted on Thu, November 01, 2018 11:29:48

Wegen Magen-Darmproblemen und sich durch die Runden ständig verschlechternde Laune der Blogschreiberin, kommt der Bericht über die letzten Tage aus Porto Carras zusammengefasst und zeitverzögert.

Am Sonntag spazierten wir zur Abwechslung mal um den Yachthafen auf die andere Seite bis zum verlassen wirkenden Kohi Beach. Leider reichte die gemeinsame Zeit nicht, um einen der Wanderwege in die Weinberge auszuprobieren. Da auch das Bähnle, wie sich später herausstellte, sich vorzeitig in die Winterruhe verabschiedet hatte, gab es keine Option einen anderen Ausgangspunkt für unsere morgendliche Frischluftbewegung zu wählen.
Da es bei mir kräftig im Darm rumorte, auf ausführliche Schilderungen der Konsequenzen verzichte ich hier lieber, hielt ich mich auch am Nachmittag im Hotelbereich auf, genauer gesagt saß ich auf der Terrasse der Purple Bar und verfasste Blogbeiträge. Erstaunlicherweise konnte man dort unbehelligt sitzen ohne zu irgendeinem Verzehr genötigt zu werden. Auch das habe ich von 2015 anders in Erinnerung.
Tobias hatte für die Runde 9 einen Slowaken zugelost bekommen. Schon in der Vorbereitung fluchte er fürchterlich, weil dieser mit sieben verschiedenen Varianten in der Datenbank zu finden war. Aufs Brett kam schließlich eine sizilianische Eröffnung mit kubanischer Linie, wobei die Stellung zunächst gar nicht schlecht schien, führte falsches Rechnen zu einem Zug, von dem der Schachzwerg dachte, der Gegner verlöre seine Dame, was nicht eintrat und in der Konsequenz den nächsten Punktverlust ergab. Immerhin besitzen wir jetzt aber eine Karte mit den Attraktionen von Beskid Zywiecki, dem Heimatort des slowakischen Jungen.
Vom Ochi Tag, einem sozusagen zweiten Ntionalfeiertag des Gastgeberlandes, bekamen wir nichts mit, obwohl angeblich gerade die Gegend um Thessaloniki diesen besonders begeht.

Den Montag begannen wir mit einem Frühstück im Meliton Hotel. Auch das war reichhaltiger und besser als bei uns, wo sich zunehmend der Eindruck aufdrängte, dass gewisse Speisen, die man uns zu Beginn kredenzt hatte, nach und nach aus dem Angebot verschwanden und nicht ersetzt wurden. Insbesondere der Tisch mit den griechischen Spezalitäten wurde von Tag zu Tag leerer.
Schachlich gesehen war es der schrecklichste Tag von allen, zu dem ich hier lbedauerlicherweise gar keine Details berichten kann, denn die 3. Niederlage gegen den 3. Griechen, der zu allem Überfluss auch noch drei Jahre jünger ist als unser Sohn, hat letzterem so zugesetzt, dass die Tränen flossen, und ich nicht nach dem Verlauf der Partie fragen wollte.

Der letzte Wettkampftag bescherte uns in einer Vormittagsrunde einen Zyprioten, den Tobias in ca. 2 1/2 Stunden richtig zusammengeschoben haben muss. Allerdings so wichtig dieser Sieg fürs Ego sicherlich war, konnte er die Gesamtbilanz nicht wirklich aufbessern.
Da es bereits früh relativ warm war, konnten wir heute bereits das Frühstück draussen einnehmen. Schade war, dass der zunächst schöne Tag, sich ab Mittag zunehmend in einen kühleren, windigen und wolkenverhangenen verwandelte, weshalb wir den Plan im Mittelmeer zu baden rasch ad acta legten.
So verfolgten wir stattdessen die Partie von Alexander Krastev, der zumindest noch theroretische Titelchancen hatte, am Livebrett. Nach fast sechsstündigem Kampf kam es jedoch zu einem Fehlgriff des Deutschen, wodurch der spanische Gegner den Titel errang und Tobias Erstrundengegner schlussendlich Platz 11 belegte.
Für 18.45 Uhr hatte Bernd ein Delegationstreffen in der Purple Bar anberaumt. Alle Teilnehmer bekamen ein Diplom ausgehändigt. Aber das Highlight war natürlich das Anstossen auf die frisch gebackene U16 Weltmeisterin AnnMarie Mütsch!
Aus diesem Anlass gab es Sekt und Saft zum Anstossen. Parallelen zu 2015, wo wir der Ehrung des Titelgewinners Roven Vogel beiwohnten lassen sich nicht von der Hand weisen. Erfreulich waren auch der 5. Platz in der U18 von Ashot Parvanyan und der 6. Platz in der U16 von Louis Engel.

Im Anschluss gingen wir mit Krastevs zu einem schnellen Abendessen im Meliton, und dort aus zur Siegerehrung in der Olympic Hall.

Diese war zum Glück feierlicher als die Eröffnungszeremonie. Nach ein paar Reden, wurde ein kurzes Video gezeigt mit Szenen der WM. Die eigentliche Würdingung begann mit der U14 weiblich, wobei in jeder Kategorie die Sechs- bis Erstplazierten sich vorne aufreihten und Medaillen (4.-6.) bzw.Medaillen und Pokale ( 1.-3.)überreicht bekamen. Wir bekamen gemäß der Herkunftsländer der Titelträger im Laufe der Veranstaltung die chinesische, spanische, deutsch, armenische, russische und slowakische Nationalhymne zu hören,sowie die des Austragungslandes und die der FIDE, es versteht sich von selbst, dass wir uns dazu jedes Mal von unseren Plätzen erhoben.
Wie bei solchen Events üblich, folgten auch zu m Ende noch ein paar salbungsvolle Worte, mit denen man uns in die griechische Nacht enließ. Auf die Teilnahme an der für 22 Uhr angesetzten Schaumparty verzichteten wir, um morgen ausgeruht die Abreise anzutreten.

Zum Schluss noch mal kurz zur Gesamtbilanz unseres hünenhaften Zwergen:
4 Punkte, Platz 116 ( Startrang war 87), 140 Punkte ELO und DWZverlust, Ziele alle verfehlt, summa summarum enttäuschend.



Tag 8: Griechische Verlässlichkeit, Experimente beim Abendessen und das nächste Remis

WM 2018 in Griechenland Posted on Mon, October 29, 2018 09:50:46

Der Tag begann wie üblich mit einem ausgedehnten
Frühstück. Es drängt sich allerdings der Verdacht auf, dass wir, da das
Hotel nach unserer Abreise über den Winter schliesst, nur noch die noch
vorhandenen Lebensmittelreste aufessen dürfen, gerade der Tisch mit den
spannenden griechischen Köstlichkeiten( Sesamriegel mit Honig,
Sesamstangen, Sesamkringel, Sesampaste, in Sirup eingelegte Früchte,
getrocknete Früchte, Honig ( um nur ein paar Beispiele zu nennen)leert
sich zusehends.

Im
Anschluss kümmerte sich Tobias um seine Vorbereitung. Um ihn nicht zu
stören und mal etwas anderes zu sehen, wollte ich eigentlich mit dem
kleinen Bummelzug eine Runde über das Gelände fahren und evt. Auf dem
Weingut eine Flasche für unser abendliches Zusammentreffen erstehen.
Doch wie schon vor ein paar Tagen, als ich ebenfalls diesen Entschluss
gefasst hatte, war plötzlich ca. 15 Minuten nach der geplanten Abfahrt,
der Fahrplan mit einem “Out of order”Schild verhängt. Andere
Haltestellen blieben von diesee Massnahme verschont, ohne jedoch
angefahren zu werden. Stattdessen steht das Bähnle auf dem Parkplatz
zwischen beiden Hotels, wie wir später auf unserem täglichen Spaziergang
festgestellten. Dieser dehnte sich heute unter Protest des Pubertiers
rund um den Golfplatz aus, eine grössere dennoch überschaubare Runde
vorbei an der Haupteinfahrt des Geländes sowie am
Hubschrauberlandeplatz. Dabei ist erstaunlich was jemandem so einfällt,
um nicht laufen zu müssen…

Es
wird nicht überraschen zu lesen, dass wir unser Mittagsmahl wiederum
draussen einnehmen zusammen mit Krastevs. Alexander berichtete von
seiner 2 1/2 stündigen Vorbereitung durch Bernd Vökler, bei der man
eine besonders raffinierte Strategie gegen Caro kann entwickelt hatte,
von der unklar war, ob sie funktioniert, die aber dem dt. Meister
letztlich einen weiteren vollen Punkt einbrachte, während Tobias Stunden
später mit der Bemerkung” nicht verloren” ins Hotelzimmer zurückkehrte.

Der
spanische Gegner spielte eine italienische Eröffnung( welch ein
Durcheinander), um anschließend alle Figuren abzutauschen, was bereits
nach rund 120 Minuten zu einer Remisstellung führte, aus der heraus der
Junge von der iberischen Halbinsel noch weitere drei Stunden erfolglos
versuchte einen Sieg zu erlangen.

Zusammen
mit Krastevs und einem in Hessen lebenden Knaben, der hier in der U16
für Griechenland startet, brachen wir zu einem späten Abendessen im
Meliton Hotel auf. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren hatten, war
es problemlos möglich dort zu essen. Diese Entscheidung hatte viele
positive Aspekte. Der Speisesaal ist durch geschlossene Aussentüren
wohltemperiert und frei von Durchzug. Das Angebot an Speisen weist eine
grössere Vielfalt und bessere Qualität auf. Wobei Tobi sich besonders
über die Shrimps freute, während meine Wenigkeit die landestypischen
Nachspeisen in Entzücken

versetzten. Positiv ist
ebenfalls noch zu vermerken, dass man seinen Teller befüllen kann ohne
in einer Schlange anzustehen, wodurch es möglich ist gegebenfalls dafür
vorgesehene Gerichte warm zu verzehren, was bei uns im Sithonia Hotel
häufig nicht umsetzbar ist, da sie beim Warten in der Reihe bereits
erkalten. Also ein durchaus gelungenes Experiment!

Wegen
bleierner Müdigkeit verzichtete ich heute auf abendliche Geselligkeit
mit Rebensaft und Knabbereien. Ein Blick auf die Auslosung war
allerdings noch drin, der Gegner morgen kommt aus der Slowakei.



Tag 7: Seebeben in Griechenland, Sonnenuntergang und ein halber Punkt

WM 2018 in Griechenland Posted on Mon, October 29, 2018 09:45:45

Vom Beben vor der Westküste Griechenlands, welches in
der Nacht von Donnerstag auf Freitag mit einer Stärke von 6,8
registriert wurde, erfuhr ich aus Deutschland per WhatsApp. In Porto
Carras war davon glücklicherweise nichts zu spüren.

Nach
dem gestrigen freien Tag stürzte sich Tobias frisch erholt in die
Vorbereitung gegen Teddy Onslow. Allerdings schien dies relativ
unkompliziert da die Datenbank nicht viel hergab.

Meine
täglich angeordnete Frischluftrunde führte heute zu den Tennisplätzen.
Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Wege hält sich auf dem Gelände
doch sehr in Grenzen, langsam gehen mir die Ideen aus, wo man noch hin
laufen könnte.

Da
merkt man auch das Heranreifen, denn vor drei Jahren war Tobias liebste
Freizeitbeschäftigung zum Ausgleich noch Fussball spielen mit Ole. Gut ,
Ole ist ja nun leider nicht hier, aber auf der Wiese sieht man ständig
kickende Jungs.

Das
Mittagessen konnten wir bei schönstem Wetter wieder auf der
Sonnenterrasse einnehmen, da die Temperaturen sich wieder bei angenehm
sommerlichen 20 Grad bewegten.

Auf
dem Schachbrett würde unser Zwerg heute mit einer französischen
Eröffnung in der Tarrasch Variante konfrontiert. Die Schilderungen des
Spielverlaufs, bei denen ich ja auf Sohnemann angewiesen bin, da
Begleitpersonen den Spielsaal vor der Runde verlassen müssen und, es sei
denn sie sind Trainer, nicht wieder betreten dürfen, werden immer
knapper. Manchmal kann ich noch etwas aufschnappen, wenn er es abends
Alexander Krastev erzählt, mir gegenüber hiess es kurz und bündig:

Der
Engländer tauschte sinnlos 2 Türme gegen eine Dame ein, danach war die
Stellung so blöd, dass er die Partie einfach nicht mehr gewinnen konnte.

Ich spazierte mal
wieder im Damentrio nach Neos Marmaras, um dort einige griechische
Spezialitäten als Mitbringsel für Daheimgebliebene zu erstehen.
Ausserdem nutzen wir die Bewegung um hoffentlich zu mindestens einen
Teil der bei der Vollverpflegung angefutterten Kalorien wieder zu
verbrennen.

Nach
unserer Rückkehr gelang es mir einige schöne Aufnahmen vom
Sonnenuntergang am Mittelmeer zu machen, eine regelrechte Fotoserie, bei
der man das Versinken der Sonne im Wasser verfolgen kann.

Den Abend liessen wir drei Mütter wieder mit griechischem Wein ausklingen, während Alexander Tobias Kartentricks vorführte.



Tag 6: Freier Tag

WM 2018 in Griechenland Posted on Fri, October 26, 2018 14:30:29

Bedauerlicherweise
war es noch immer stürmisch und das bei einer Tageshöchsttemperatur von
17 Grad. Verglichen mit den momentan in Magdeburg vorherrschenden
Temperaturen mag das nach viel klingen, tatsächlich fühlte es sich aber
nicht so an.

An Baden war demnach nicht zu
denken. So machten wir in einer grösseren Gruppe einen Fussmarsch nach
Neos Marmaras, besuchten dort ein Cafe ( Kugel Eis 2€) , erledigten ein
paar kleinere Bersorgungen, und schafften es rechtzeitig zum Mittagessen
zurück ins Hotel.

Die
Wanderung in die Weinberge mit Bernd verpassten wir jedoch. Allerdings
erfuhren wir später, dass der Weinladen auf der Strecke aus
unerfindlichen Gründen geschlossen hatte, man also weder Rebensaft hätte
verkosten noch kaufen können.

Während
die Jugendlichen sich in der Lobby mit dem königlichen Spiel
beschäftigten, genossen wir draussen gut eingepackt die letzten
Sonnenstrahlen des Tages. Immerhin stürmte es nicht mehr.

Hier
scheint es üblich zu sein unabhängig von der Aussentemperaturen die
Türen des Speisesaals offen zu halten, so dass wir diesen nach dem
Abendbrot mit Krastevs und dem Bundestrainer etwas durchgefroren
verließen.

Unser
Damentrio genoss zum Aufwärmen eine der gekauften Flaschen Rotwein in
der Sitzecke der 3. Etage, die Jungs blieben unter sich in unserem
Zimmer, für Unterhaltung sorgte das Laptop.

Morgen startet nun die 2. Hälfte des Turniers. Auf geht’s !



Tag 5: kalte Dusche, Sturm, Versuch einer Halbzeitbilanz

WM 2018 in Griechenland Posted on Fri, October 26, 2018 14:29:27

Am heutigen Mittwoch gab es zur Abwechslung mal statt mit
dem WLAN Probleme mit der Warmwasserversorgung im Hotel, so dass für
mich der Tag mit einer kalten Dusche begann. Wohl dem der diese Form der
Körperreinigung nur an geraden Tagen vollzieht…

Nach
einem ausgedehnten Frühstück machte sich Tobias an die Vorbereitung für
den Nachmittag. Das war wohl nicht ganz so gut überschaubar, da der
Gegner sehr unterschiedliche Eröffnungsvarianten spielt. Eine Datei von
Tatjana sollte Hilfestellung leisten. Trotz verhältnismäßig länger
Beschäftigung damit, vergeigte unser Schachzwerg schlussendlich seine
Partie schon zu Beginn. Aufs Brett kam dabei KasparovGambit. Trotzdem
dauerte es bis zum Matt wiederum ca,. 4 Stunden. Der Kontrahent?

Mal
wieder ein Grieche, irgendwie gibt es hier viele davon, leider scheinen
sie trotz geringerer ELO unserem Sohn überlegen zu sein.

6
Runden sind inzwischen gespielt, Tobias hat bisher 2 Punkte, allerdings
habe ich den Eindruck, dass er sich in der Mehrzahl der Fälle eher
selber besiegt hat, will sagen, nicht die Stärke der anderen hat zum
Verlust geführt, sondern kleine und grössere Fehler würden von diesen
gnadenlos bestraft. Es bleibt zu hoffen, dass in den noch ausstehenden 5
Runden die Bilanz noch etwas verbessert. Die Auslosung ergab, dass
übermorgen ein Engländer besiegt werden könnte ( sollte!)

Während
am Vormittag noch die Sonne am Himmel lachte, zog am Mittag Sturm auf,
das Meer war sehr unruhig, und der geplante Fussmarsch unseres
Müttertrios ( Morgenstern, Krastev, Bardorz) Wegen Überflutung des Wegs
unmöglich. Schade.

Die Fähre schien auch mehr in Seitlage auf dem Wasser dahinzugleiten, erschien uns daher nicht als brauchbare Alternative.

Verglichen
mit 2015 muss ich immer wieder feststellen, dass es einige
Veränderungen gibt. Es wirkt alles sehr viel ruhiger und zum Teil
verlassener. Das Essen ist nicht so abwechslungsreich, liebloser
präsentiert und zum Beispiel Eis, was vor drei Jahren bei den Kindern
hier der Renner war, gibt es gar nicht mehr. Andere, die vor drei Jahren
auch schon hier waren, bestätigten mir diese Eindrücke. Das
Preisniveau erscheint mir auch ziemlich hoch, ob es an diesem
touristischen Zentrum hier liegt oder im ganzen Land so ist, werde ich
leider nicht klären können.

Das
Heulen des Windes draussen und die Schachspieler, die in Erwartung des
morgigen freien Tages, den Abend bis in die Nacht ausdehnten und lärmend
durch die Flure zogen, bescherten uns einen unruhigen Schlaf



TAG 4: WLAN- Probleme, Landeskunde USA und der 2. Punkt

WM 2018 in Griechenland Posted on Wed, October 24, 2018 18:00:27

Kurz nach dem morgendlichen Erwachen mussten wir zu
unserem Schrecken feststellen, dass das WLAN im Hotel nicht mehr
funktionierte. Die von uns mitgeführten elektronischen Geräte Zeiten
zwar alternative offene Netzwerke hat wie Porto Carras Elevator 6 oder
Staff Quarters 1, damit liess sich aber keine stabile Internetverbindung
herstellen.

Wir
frühstückten heute mit Jana Bardorz (U14w) und ihrer Mutter. Man muss
sich das bri Tobias vorstellen mit Croissants, Blätterteiggebäck,
Spiegelei sowie mit Nutella bestrichenen Pfannkuchen, natürlich darf
auch ein wenig Obst nicht fehlen.

Ich bin etwas
experimentierfreudiger und probiere schon mal das eine oder andere vom
Tisch mit den griechischen Spezialitäten.wie zum Beispiel staubtrockene
Sesamkringel, in Sirup eingelegte Orangen oder Feigen, Honigsesamgebäck
oder ähnliches. Ich liege auch mit dem Obstanteil eindeutig vor
Sohnemann…

Frisch
gestärkt machte Tobias sich trotz immer noch fehlender
Internetverbindung an die Vorbereitung, allerdings gab die Datenbank zum
irischen Gegner nicht viel her, des weiteren wurde ich belehrt, dass es
ein Zeichen von Schwäche sei, sich mit einem Kontrahenten, der ca. 300
Elopunkten weniger aufweist, überhaupt zu befassen.

Damit
war das Kapitel heute schnell abgehandelt und es blieb viel Zeit für
einen Frischluftausgleichspaziergang, den wir nach den Erfahrungen vom
Vortag sicherheitshalber auf Wege innerhalb des Hotelgeländes
beschränkten. Eigentlich wollten wir Tischtennis spielen, doch die zwei
vorhanden Platten sind vormittags fast immer belegt.

Noch
vor dem Mittagessen, welches wir bei strahlendem Sonnenschein wieder
draussen zu uns nahmen, waren auch die Probeme mit dem lokalen
Drahltlosnetzwerk behoben.

Tobias sah sich zur
Enspannung auf dem Smartphone ein Video an, bis ich eine Ruhephase ohne
Nutzung elektronischer Geräte forderte.

Vor
Rundenbeginn sollte um 14.45 Uhr auf der Freitreppe vor der Olympic Hall
heute endlich ein Gruppenfoto der deutschen Delegation in ihren
offiziellen WM- shirts gemacht werden. Aufgenommen wurden sie dann
tatsächlich am Yachthafen.

Nun
hiess es für unsere Jungs und Mädchen aber eilig in den Spielsaal zu
huschen.Mittlerweile weiss man wenigstens ungefähr, wo welcher Platz zu
finden ist.

Bei Tobias kam heute nach den ganzen
südländischen ( spanisch,italienisch) Eröffnungen der bisherigen
Spiele, zur Abwechslung mal Aljechin aufs Brett. Der irische Gegner zog
dabei zu früh d5, so dass sich eine komische Stellung ergab. Im
Endspiel waren zwei ungleichfarbige Läufer auf dem Brett, wobei unser
Schachzwerg zwei verbundene Freibauern und auch insgesamt zwei Bauern
mehr hatte. Eigentlich eine schwierige Situation, die wohl
üblicherweise leicht zu einem remis führt. Dies dachte sich wohl auch
der Knabe aus Irland und bot es unserm Sohn an. Doch wahrscheinlich
weckte erdamit erst recht dessen Kampfgeist. Von seiner Bauernüberzahl
gab er einen ab um schneller beim h6 g5 Bauern des Iren zu sein. Dieser
verschenkte seinen h6 Bauern, Tobias tauschte einen h Bauern gegen einen
g Bauern, hatte sich somit nun einen Vorteil erkämpft, da seine
Freibauern jetzt zwei Felder auseinander standen und ging somit nach ca.
fünf Stunden als Gewinner aus dieser Partie hervor. Oder wie Tatjana
sagen würde: Punkt!!!

Das war nach der gestrigen bitteren Niederlage zur moralischen Stärkung allerdings auch bitter nötig.

Ich
verbrachte den Nachmittag spontan mit einem Spaziergang nach Neos
Marmaras und zurück in Begleitung einer russischstämmigen US
amerikanerin, deren Tochter in der U16 Girls mitspielt. Durch unsere
Unterhaltung erfuhr ich, dass die gesamte US amerikanische Delegation
ilnklusive Begleitpersonen morgen Abend in Neos Marmaras in einem
Restaurant essen geht. Dient wahrscheinlich der Stärkung des
Teamgeistes. In den USA ist es absolut unüblich, dass die Kinder mit
einem Trainer zu einem Turnier fahren, stets und ständig sind sie in
Begleitung ihrer Eltern unterwegs. Ausserdem findet die US amerikanische
Schachmeisterschaft jedes Jahr im Dezember in Orlando, Florida statt,
ganz in der Nähe von Disney World.

(verglichen
mit Willingen Wahrscheinlich ein attraktiverer Austragungsort). Mir war
vorher auch nicht klar, wie hoch die Kosten sind, die Eltern in den
Staaten in die Bildung ihrer Kinder investieren ( müssen). Je nach Alter
sind es bis zu 70000 US$ pro Jahr.

Somit
hatte ich einen interessanten aufschlussreichen Nachmittag, konnte mal
wieder englisch sprechen und interkulturelle Vergleiche abseits des
königlichen Spiels anstellen.

Das
Abendessen nahmen wir mit Krastevs ein, Tobias und Alexander kommen gut
miteinander aus, als dann auch noch Bernd beide nach ihren Ergebnissen
fragte und sie übereinstimmend einen Sieg vermelden konnten, hiess es

Dienstag der 23. Oktober war ein guter Tag für Deutschland!!!



Tag 3: Nebel, Irrwege und schachliche Abgründe

WM 2018 in Griechenland Posted on Wed, October 24, 2018 06:58:40

Noch vor dem Aufstehen informierten wir uns via Internet
über die Auslosung zur heutigen 4.Runde. Tobias sollte es mit einem
Griechen zu tun bekommen, nominell rund 200 ELO Punkte schlechter als
er.

Das gab erstmal Anlass zur Hoffnung.

Ein
Blick aus dem Fenster verhiess weniger Gutes, in der Nacht hatte es
geregnet und herbstlicher Nebel macht anscheinend auch vor Griechenland
nicht halt. Das Temperaturniveau wich allerdings von demjenigen zuhause
um ca. 10 Grad nach oben ab…

Nach
einem ausgedehnten Frühstück sah es draussen schon freundlicher aus, so
dass ich erstmal Frischluftversorgung anordnete, zumal wir ohnehin für
die Vorbereitung noch auf Tatjanas Zuarbeit warteten.

Wir
gingen am Strand entlang Richtung Neos Marmaras. Diese Gelegenheit
nutzte Tobias um seine Füsse von Mittermeerwasser umspülen zu lassen.
Nach einer Weile drehten wir um, wollten aber nicht den gleichen Weg
zurücklaufen.

So nahmen wir einen Pfad, der uns
vom Meer weg führte.Zuerst passierten wir wildcampende Italiener mit
Wohnmobilen älteren Baujahrs, die nicht den Eindruck machten als würde
sie der deutsche TÜV für fahrtüchtig erklären. Weiter ging es vorbei an
verlassen wirkenden Selbstversorgergärten, die wahlweise von Hühnern,
Schafen, Eseln , Katzen oder Hunden besiedelt waren. Nur auf einem der
Grundstücke sahen wir einen Mann, der versuchte etwas zu bauen, von dem
Tobias allerdings meinte er habe bewusstseinserweiternde Substanzen
genommen, da er wild mit den Armen fuchtelte. Auch schrottreife Autos
standen einfach so in der Landschaft herum. Nachdem wir zwei besonders
aggressiv bellende Hunde hinter uns gelassen hatten, kamen wir an eine
Weggabelung. Wir entschieden uns für die rechte Abzweigung, die im
Nichts endete. Allerdings trennte uns nur ein Maschendrahtzaun mit
Stacheldraht obendrüber von der Strasse, die zum Hotel führt. Also
probierten wir es nach einem kurzen Abstecher in ein Olivenbaumfeld, das
allerdings auch umzäunt war, den Weg in die andere Richtung. Doch auch
hier kein Weiterkommen. Der Zaun bot keinerlei Durchschlupf und da ich
auch leider meinen Seitenschneider nicht dabei hatte, gab es keine
andere Möglichkeit als so wie wir dorthin gelangt waren zurückzukehren.
Glücklicherweise brachte uns das nicht in zeitliche Bedrängnis.

Zurück
im Hotel konnte der Schachzwerg mit Hilfe der inzwischen von Tatjana
erhaltenen Mail mit seiner Vorbereitung für die nachmittägliche Partie
beginnen.

Zur
Mittagszeit hatte sich der Nebel gelichtet und wir konnten bei
Sonnenschein das Essen draussen einnehmen, was sehr angenehm ist, da man
vom Lärmpegel im Speisesaal verschont bleibt.

Bis 15 Uhr blieb noch Zeit für den zweiten Teil der Vorbereitung und zum Ausruhen.

Das
Spiel begann mit einer italienischen Eröffnung. Wie es mir bereits von
den vorangegangen Runden 1 bis 3 berichtet wurde, kam es irgendwann zum
Einstellen eines Bauern, wodurch die Tendenz des Verlierens eingeleitet
wurde. Besiegelt wurde es heute durch Übersehen eines zweizügigen Matt,
so dass nach nicht einmal 2 1/2 Stünden der hellenische Jüngling die
Olympic Hall als Sieger verliess. Kommentar unseres traurigen und
verärgerten Sohnes: UNTERIRDISCH

Den
Rest des Tages verbrachten wir mit Schulaufgaben, Abendbrot und Stadt
Land Fluss spielen, wobei die Kreativität im Bereich Berufe erfinden
beachtlich war.

Bleibt
nur zu hoffen, dass wir die Talsohle durchschritten haben, schlechter
geht ja kaum noch, wir hoffen auf morgen und ihr dürft gerne Daumen
drücken. Die Auslosung ergab einen Sprössling aus Irland, wie nennt man
die noch gleich? Irrländer?



Tag 2: Doppelrunde: Wolken am Himmel und schlechtes Schach

WM 2018 in Griechenland Posted on Mon, October 22, 2018 11:09:18

Der heutige Tag war ziemlich durchgetaktet und liess kaum
Spielräume für Aktivitäten abseits des Schachbretts, zumindest für den
sportlich Aktiven von uns. Nach einem ausgewogenen Frühstück ( wenn man
die von uns beiden verzehrten Lebensmittel in der Summe betrachtet und
etwas umverteilt) in Gesellschaft der deutschen U18 Spielerin Inken
Köhler, blieb gerade noch etwas Zeit sich kurz für die Morgenpartie
etwas anzusehen, bevor wir uns auf den Fussmarsch zur Olympic Hall
begaben und damit das Denkerhirn wenigstens 15 Minuten frische Luft
abbekam.

Im Spielsaal
begann dann wieder die Suche nach dem richtigen Brett, diesmal nicht
Live und somit am anderen Ende. Dort wurde Tobias schon von seinem
Gegner erwartet, der als Geschenk ein Basecap mit der Flagge Südafrikas
an diesen überreichte. Im Gegenzug erhielt er von uns eine Ansichtskarte
von Magdeburg sowie Hallorenkugeln.

Vorbereitet
hatte Tobias sich auf eine Nebenvariante der spanischen Erröffnung,
wurde dann vom Gegner im 5. Zug mit d4 direkt überrascht, kannte sich
damit nicht aus und musste “frei Schnauze” weiter spielen. Dies gelang
zunächst noch recht gut, so dass er sich nach der Eröffnung in einer
annehmbaren Stellung befand. Um sich einen Figurenvorteil zu
verschaffen, stellte er einen Bauern ein, dieses Unterfangen erwies
sich allerdings als trügerisch. Stattdessen befand sich plötzlich der
Südafrikaner in einer besseren Position. Doch konnte der Jugendliche aus
Kapstadt daraus keinen Nutzen ziehen, im Gegenteil, er stellte seine
Figuren danach schlechter, geriet in Zeitnot, übersah etwas und verhalf
somit Tobias nach ca. vier Stunden zu einem glücklichen ersten WM-punkt.

Das
Hotel hatte dies Essenszeiten wegen der Doppelrunde nach hinten
verschoben, so dass wir um 14.30 Uhr noch entspannt unser Lunch
einnehmen konnten. Pizza, Pommes und Spaghetti mit Tomatensoße ,
erstaunlicherweise blieb trotzdem das WM-trikot weiss, ohne rote Tupfer.

Gegen 15.30 Uhr war
dann endlich die Auslosung raus für die 2. Runde des heutigen Tages,
unser Schachzwerg sollte es mit einem Weissrussen zu tun bekommen. Für
die Vorbereitung, die diesmal wegen Tatjanas Punktspiel selbständig
erfolgen müsste, blieb nur wenig Zeit, abgesehen davon gab die Chessbase
Datenbank zum Kontrahenten kaum etwas her.

Der
Versuch sich wenigstens noch etwas auszuruhen vor dem anstrengenden
Spätnachmittag war auf Grund des immer noch hohen Adrenalinspiegels auch
nicht so effektiv.

An Frischluft müsste das genügen, was auf dem Weg zur Olympic Hall aufgenommen werden könnte.

Kurzum
sind 2 1/2 Stünden für Mittagessen, Vorbereitung, Abschalten und
körperliche Betätigung draussen nicht wirklich viel Zeit.

Während
am Vormittag noch ab und zu die Sonne für kleine Lichtblicke sorgte,
zog sich der Himmel im Verlauf des Tages mehr und mehr zu, auch einige
dunklere Wolken waren zu sehen.

Passend
dazu verlief die 3. Runde: Tobias spielte mit weiss eine spanische
Eröffnung. Schon in dieser Phase kam er durch das Zulassen von d5 in
eine leicht ungünstigere Stellung , welche sich durch f4 im Mittelspiel
verschärfte. Langes Rechnen brachte einen erheblichen Zeitverlust mit
sich und durch das ( ich zitiere jetzt wörtlich)” naive, dumme,
blindflanschige” Einstellen eines Bauern, geriet er nun endgültig auf
die Verliererstrasse, dazu kam, dass am Ende des langen Tages ” die Luft
raus war”.

Nebenbei bemerkt zeugt auch das Partieformular von erheblichen Konzentrationsmängeln. Bleibt nur auf Besserung zu hoffen.

Kurz
nach 20 Uhr traf mein angesäuerter Schachzwerg wieder im Hotel ein.
Nach einem späten Abendbrot blieb noch wenig Zeit den Kopf frei zu
bekommen bevor wir,ohne die Auslosung für die 4.Runde abzuwarten, in den
Tiefschlaf fielen.

P.S.:

Falls
sich jemand die Frage stellen sollte, was der FanReporter hier den
ganzen Tag macht, lautet die Antwort Stricken, Lesen, Blog schreiben,
mit anderen Eltern quatschen, Leute beobachten, Fotografieren,
Kaffeetrinken, Spazierengehen, Füsse ins Mittelmeer tauchen, moralische
Unterstützung leisten…



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